
Am 15. September haben die Kinder ihre Schulsachen entgegengenommen: Rucksäcke, Hefte, Bücher, alles, was man für einen guten Start braucht. Neben ihnen standen die Eltern, dazu die Mitglieder des Vereins Lendemain Meilleur. Es war die zehnte Übergabe dieser Art, und wir müssen zugeben: Zehn Jahre sind kein Datum, an dem man einfach vorbeigeht.
Das Schuljahr begann bereits am 7. September 2027. Aufgrund der späten Rückkehr der Eltern aus dem Urlaub erfolgte die Ausgabe der Schulmaterialien eine Woche später. Dennoch ist kein Unterricht ausgefallen, da die Schulen den Unterricht konsequent in der zweiten Woche nach Schulbeginn aufnehmen, während die erste Woche der Kontaktaufnahme und der Information über die Jahresprogramme gewidmet ist.
Lendemain Meilleur (Projekt Bessere Zukunft), wurde von Lydie Hortense Sopi Mahouve gegründet, die heute als Erste Beigeordnete der Bürgermeisterin von Kribi II tätig ist. Der Name sagt schon, worum es geht: eine bessere Zukunft. Kein Kind soll seine Zukunft verlieren, weil zu Hause das Geld fehlt. Das ist kein Slogan, sondern das, woran wir jedes Jahr wieder arbeiten.
Im vergangenen Schuljahr haben wir 21 Kinder begleitet, 7 Mädchen und 14 Jungen, von der Grundschule bis in die weiterführenden Klassen. Durch die Spenden stellen wir Schulbücher, Schuhe und Material und zahlen einen Zuschuss zu den Schulgebühren. Am Ende des Jahres stand fest: Alle Mädchen haben die Versetzung geschafft, bei den Jungen haben 12 die nächste Klasse erreicht. Wir freuen uns über diese Zahl, aber sind nicht ganz zufrieden. Solange nicht jedes Kind dabei ist, ist noch etwas zu tun.
Drei Kinder haben das Projekt am Ende des Schuljahres verlassen. Bei zwei Familien lag der Grund im Wegzug aus der Stadt, bei einem Kind in anhaltenden Problemen mit Verhalten und Einsatz. Nachrücker wurden bereits gefunden, die die gleichen Klassen wie diese drei Kinder besuchen.
Manches lässt sich in keiner Statistik abbilden. Viele Eltern melden sich erst bei uns, wenn es schon brennt. Deshalb erfahren wir von Sorgen oft zu spät. Bei einigen Kindern belasten Streitigkeiten zwischen den Eltern das Leben zu Hause, und das spüren wir in den Noten. Mehrfach haben wir Familien mit Geld für Essen und Miete ausgeholfen, weil sonst an Schule gar nicht zu denken war. Ein Junge musste die vierte Klasse wiederholen, obwohl er vorher nie sitzen geblieben war. Dazu kamen Hautprobleme bei einigen Kindern, die mit der Wasserqualität zusammenhängen. Und das Budget hat für das Jahr nicht gereicht.
Da das Budget knapp war, mussten wir auf das Hygiene-Set mit Seifen und Medikamenten sowie auf die Regenschirme verzichten. Die Kinder erhielten statt zwei Paar Schuhe nur ein Paar, und die Schulkleidung wurde weiter geschnitten, damit sie mindestens zwei Jahre lang passt. Außerdem erhielten die Wiederholer keine Bücher mehr, aber die übrigen Schulmaterialien wurden ihnen ausgehändigt. Ihnen wurde mitgeteilt, dass ein weiteres Durchfallen nicht toleriert werde, da ZentralAfrika e.V, das Projekt erst vor kurzem übernommen hat.
Wir planen eine Arbeitsreise nach Deutschland zur Zentralafrika e.V. im Rahmen des nächsten Afrika-Tages, und ein Kind aus dem Projekt soll uns begleiten. Wer einmal versucht hat, in Kamerun Pässe zu beantragen, weiß, wie viel Geduld das erfordert: fehlende Ausweisdokumente, lange Wartezeiten, dazu der Schulalltag der Kinder. Wir haben bislang immerhin einen Pass beantragt und bleiben dran, den zweiten zu erhalten.
Zentralafrika e.V. in Deutschland begleitet uns seit zwei Jahren (davor war es Echo-Kamerun e.V). Er hat es erneut dieses Jahr gezeigt, dass er hinter dem Projekt steht. Im Namen von Lendemain Meilleur danken wir ihn herzlich. Lydie Sopi Mahouve hat es ebenfalls ausdrücklich gesagt.
Zehn Jahre Lendemain Meilleur bedeuten keine perfekte Erfolgsgeschichte. Es bedeutet, dass Jahr für Jahr 21 Not leidende Kinder in Kribi zur Schule gehen können, obwohl das Leben um sie herum oft sehr schwierig ist. Nach zehn Jahren wissen wir: Es sind nicht die großen Gesten, die einen Unterschied machen. Es ist die Verlässlichkeit für dieselben Kinder und Familien. Wir haben noch viel vor: diese 21 Kinder zu einem Schulabschluss zu führen.
Von Arsène Nguiebouri, Kassierer.





